Brautkleid von der Stange

 

Ich hatte ein Brautkleid zum umändern in meinem Atelier. Ein Stangenkleid für 1700.-€ und 300.-€ für die Änderung musste die Braut im Laden auch noch bezahlen. 

Ich stelle euch in diesem Beitrag die Arbeit eines guten Brautladens einmal vor und zeige euch, was ihr dort für 2000.-€ bekommt. 

Das ist das Kleid so wie es zu mir ins Atelier kam.

Das Corsagenkleid ist aus einem Crepe gefertigt Das Oberteil mit einer Tüllspitze überzogen und der Rockteil mit Tüll und kleiner Schleppe. Also 100% Polyester.

Am Rücken wird das Kleid mit einem Reißverschluss die Spitze mit einer Knopfleiste geschlossen.

Was auf diesem Bild nicht mehr am Kleid ist, ist der blaue Gürtel der mit drei Stichen aufgenäht war.


Das Kleid war im original offensichtlich zu lang, weshalb die Änderungsschneiderin des Brautladens ein Stück herausschnitt und es wieder an das Kleid nähte. Hierbei entstanden Löcher in der Spitze und die Ansatzlinie ist deutlich zu erkennen und nicht im Muster der Spitze gearbeitet, was hier für 300€ allerdings angebracht gewesen wäre.

Die Spitze war jedoch immer noch nicht passend, man nähte einfach ein Stäbchen unter die Knöpfe, so dass diese an der Kundin standen.


Das Kleid war aus zu weit, weshalb einfach an der Seitennaht abgesteppt wurde. Hierbei hat man einfach die Spitze in die Naht genommen. Zudem war das Kleid unter dem Arm zu eng, weshalb man ein Stück unter setzte um zu verhindern, dass etwas raus drückt. Dieses Ansatzstück wurde nicht versäubert, lediglich unter das Kleid gelegt und drüber gesteppt, um dies zu vertuschen stepte man eine kleine Spitze darüber. Um zu verhindern das diese Ansatzstelle durch die Spitze gesehen wird, klebte man etwas Spitze auf. Kleben!!!!! Ich habe einmal ein Kleid geklebt und das war als ich mit 4 Jahren meiner Barbie etwas nähen wollte. 

Da durch das Ansetzen Spitze unter dem Arm fehlte heftete man etwas Spitze zusammen. 

Zudem hat die Spitze überall Löcher und wurde mehrfach geflickt. Wahrscheinlich blieb hier mal eine Kundin beim Anprobieren hängen. 


Das original hatte einen cremefarbenen Gürtel, welcher abgeschnitten wurde und ein blauer mit drei Stichen darüber geheftet wurde.

Der original Gürtel war geschwungen gefertigt, der ersetzte gerade und sehr schlecht verstürzt.


Das gesamte Kleid hatte weder im Oberstoff noch im Futter einen Saum, es wurde lediglich abgeschnitten und versäubert.

Das Kürzen des Kleides beendete man einfach an der Seitennaht, weshalb eine komische Ecke entstand die hinter her schliff. 


Mein Fazit zu diesem Stangenkleid ist einfach nur enttäuschend.

Die Kundin war in einem "guten" Brautladen, welcher mit seiner Qualität wirbt und angeblich großen Wert darauf legt den Kunden etwas Besonderes zu verkaufen. Das einzige, was hier besonderst war, war der Preis. 1700.-€ für ein Kleid mit Löchern und 100% Polyester ist viel zu teuer. Die Qualität der Spitze und auch die Optik sind keine 1700.-€ wert.

Dazu kommt, dass 300.-€ für eine so schlechte Änderung, oder soll ich es lieber für ein so schlechtes zusammen Pfuschen nennen, viel zu viel ist. Hier hat man dem Kunden unverschämt das Geld aus der Tasche gezogen. Für 2000.-€ kann man mehr erwarten!

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